Nach der Vertreibung der MigrantInnen aus Hoyerswerda richtete sich die Gewalt der Neonazis gegen alle Verbliebenen, die nicht in ihr Weltbild passten. Darunter: alternative Jugendliche und Kulturschaffende. Bald gab es die erste Tote. Auch viele Jahre später blieb rechte Gewalt ein Problem in der Stadt. Jedoch gab und gibt es auch Menschen, die sich öffentlich hinter die Betroffenen stellen.

Filme

Rechte Gewalt in den 1990er Jahren

Hoyerswerda in den 1990er Jahren: Nachdem die MigrantInnen nach tagelangen rassistischen Angriffen aus der Stadt vertrieben wurden, richtete sich die Gewalt der Neonazis gegen Linke und Andersdenkende.

Rechte Gewalt nach 2000

Mehr als zehn Jahre nach dem Pogrom ist rechte Gewalt und Bedrohung immer noch Alltag für alternative Jugendliche und Punks in Hoyerswerda.

Der Mord an Mike Zerna in Hoyerswerda

Im Februar 1993 ermordeten Neonazis den 22-jährige Mike Zerna in Hoyerswerda. (Quelle: YouTube)

2017: Situation eines libyschen Geflüchteten in Bautzen

Bautzen ist nur wenige Kilometer von Hoyerswerda entfernt, beide Städte liegen im gleichen Landkreis. In den vergangenen Monaten machte Bautzen durch zahlreiche rechte Mobilisierungen und Auseinandersetzungen zwischen Deutschen, darunter Neonazis, und Geflüchteten Schlagzeilen. Journalisten trafen den Jungen, der von der Bildzeitung als der "Anführer der Krawall-Flüchtlinge" bezeichnet worden war und ließen ihn zu Wort kommen. (Quelle: YouTube)

Hintergrund

Spuren des Hasses - unvollständige Chronik rechter Angriffe in Hoyerswerda im Zeitraum von 2001 bis 2016

Noch immer kommt es auch in Hoyerswerda zu rechten Übergriffen. Im Folgenden sind Vorfälle dokumentiert, die von der ehemaligen Opferberatungsstelle AMAL in Görlitz, der Opferberatung der RAA-Dresden, sowie der Antifa-AG Hoyerswerda erfasst wurden. Als Quellen dienten Meldungen aus der Lokalpresse und Polizeiberichten, sowie Informationen von Betroffenen und Kontaktpersonen vor Ort. Aufgrund mangelnder Datenlage können für den Zeitraum von 2009 bis Mitte 2011 keine Angaben gemacht werden.

2016

07.01.2016
Angriff auf Parteibüro der Linken: Eine Fensterscheibe des Linken-Büros in Hoyerswerda wurde von Unbekannten beschädigt.

17.01.2016
Nicht einmal zwei Wochen nach einem Anschlag auf das Linken-Büro in Hoyerswerda kam es Sonntag Nacht zu einer weiteren Attacke. Die Fensterscheibe wurde mit einem Gegenstand eingeschlagen.

27.01.2016
Gedenkstein mit Hakenkreuz geschändet: Im Ehrenhain für die Opfer des Faschismus sprühten Unbekannte ein Hakenkreuz auf einen Gedenkstein.

17.04.2016
Auseinandersetzung vor Geflüchtetenunterkunft: In der Nacht zu Sonntag kam es vor einer Geflüchtetenunterkunft zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen Geflüchteten und einer fünfköpfigen Gruppe im Alter von 17 bis 21 Jahren. Der Situation voraus gingen provozierende Äußerungen gegenüber den Geflüchteten.

28.07.2016
Rechter droht, randaliert, schikaniert: Am Abend und in der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde ein 53-jähriger Mann dreimal von der Polizei ergriffen und schließlich in Gewahrsam genommen. Das erste Mal wurde er in einem Bistro aufgegriffen, nachdem die Besitzerin seine ausländerfeindlichen Parolen und Drohungen nicht länger hinnehmen konnte. Zum zweiten Mal wurde der Mann an einer Tankstelle auffällig, als er nach Ladenschluss mit Flaschen warf. Der dritte Vorfall ereignete sich schließlich an einer Geflüchtetenunterkunft. Die MitarbeiterInnen riefen die Polizei, weil der 53-Jährige lautstark die BewohnerInnen der Unterkunft beleidigte und provozierte.

17.09.2016
Auseinandersetzung nach Beleidigung: Am Samstagabend wurden ein 15-jähriger Jugendlicher aus Syrien und sein 17-jähriger Begleiter von einem 32-jährigen Deutschen aus seinem Auto heraus beleidigt. Als daraufhin gegen den Kotflügel des Autos getreten wurde, stieg der 32-Jährige aus und suchte die verbale Auseinandersetzung. Mehrere Passanten wurden in der Folge auf den Vorfall aufmerksam und beteiligten sich auf verschiedenen Seiten an dem Wortgefecht. Dabei soll auch "Sieg Heil" gerufen worden sein. Erst Kräfte der Bereitschaftspolizei konnten die Situation beruhigen.

09.11.2016
Hakenkreuz in Haustür geritzt: Ein Unbekannter hat in die Glasscheibe einer Hauseingangstür ein Hakenkreuz und eine verbotene Parole geritzt. Der Unbekannte hinterließ außerdem mehrere Einschläge in der Scheibe.

2015

06.03.2015
Angriff auf geplante Unterkunft für Asylsuchende: Eine noch unbewohnte Unterkunft für Asylsuchende in Hoyerswerda ist mit rechten Parolen und Symbolen beschmiert worden, außerdem sind zahlreiche Fensterscheiben zerstört worden. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben fünf Verdächtige zwischen 20 und 32 Jahren fest.

03.06.2015
Brandanschlag auf Unterkunft für Asylsuchende: Unbekannte haben in der Nacht zu Mittwoch einen Brandanschlag auf das Asylsuchendenheim in Hoyerswerda verübt. Nach Polizeiangaben warfen sie einen Behälter mit brennbarer Flüssigkeit in Richtung der Notunterkunft, in der sich zu diesem Zeitpunkt 27 Asylsuchende aufhielten.

27.08.2015
Tätlicher Angriff auf Hoyerswerdaer Büro von Linken-Vize Caren Lay: Am Donnerstag wurde das Linken-Büro der Bundestagsabgeordneten Caren Lay von drei Personen angegriffen. Laut Bundestagsabgeordneter Caren Lay kam es am Nachmittag im Büro in Hoyerswerda zu einem Überfall von drei, später fünf Neonazis auf eine Mitarbeiterin sowie drei weiteren Personen, wovon einer im Rollstuhl sitzt. Die Täter bespuckten ihre Opfer, beschimpften sie und warfen brennende Zigaretten nach ihnen.

13.11.2015
Angriff auf Parteibüro der Linken: Der Büro der Linkspartei in Hoyerswerda ist erneut Ziel eines gewaltsamen Angriffs geworden. In der Nacht zum Donnerstag haben Unbekannte gegen 2.20 Uhr am Parteibüro an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße ein Glas mit Farbe gegen die Scheibe geworfen.

16.11.2015
Sachbeschädigung an Gebäude: Am Montag wurde die Tür eines Gebäudes beschädigt, in welchem neben diversen Betrieben auch Asylsuchende untergebracht sind.

2014

07.02.2014
Asylsuchende in Hoyerswerda angegriffen: Ein Marokkaner ist am Freitag in Hoyerswerda auf dem Marktplatz überfallen worden. Wie die zuständige Polizeidirektion in Görlitz mitteilte, hat die Kriminalpolizei einen ortsansässigen 37-Jährigen als Tatverdächtigen ermittelt. Der Täter soll mit dem Fahrrad an dem Geschädigten vorbeigefahren sein und ihm dabei mit der Hand an den Hinterkopf geschlagen haben. Danach soll er gestoppt und ihn nochmals angegriffen haben. Nach Polizeiangaben blieb das Opfer unverletzt und hat mit dem Mobiltelefon ein Foto des Täters gemacht. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen und den Tatverdächtigen vernommen.

15.03.2014
Nazi-Sprühereien im Stadtgebiet: Die Scheibe des Büros der Linken wurde mit Nazi Parolen besprüht. Schriftzüge wie „NS-Zone“ und „frei, sozial und national“ fanden sich auch im gesamten Stadtgebiet, so am Lausitz-Center oder am Ehrenhain. Auch ein Transparent wurde am Lausitz Center aufgehängt.

08.04.2014
Rassistische Attacke: Eine aus Syrien stammende Frau wurde auf dem Weg zum Einkaufen aus einem fahrenden Auto heraus rassistisch beschimpft und bespuckt.

12.04.2014
Rassistische Attacke: Eine aus Libyen stammende Frau wurde direkt vor dem Asylsuchendenheim bedrängt. Die als "junge deutsche Männer" beschriebenen Täter fuhren mit einem Fahrzeug über den Bürgersteig auf sie zu.

19.04.2014
Versuch eine Scheibe am Asylsuchendenheim einzuschlagen: In den frühen Morgenstunden versuchten Unbekannte eine Scheibe am Asylsuchendenheim mit einem Gegenstand einzuschlagen. Das Spezialglas hielt jedoch stand.

06.05.2014
Ein 30-jähriger Mann spuckte vor einem Geschäft einem 28-jährigen Tunesier ins Gesicht.

22.05.2014
Schmierereien am Bürgerbüro der Linken: An die Scheibe des Bürgerbüros der Linken wurden Aufkleber mit den Schriftzügen „NS-Zone. Deutschland Multikulti – wir bleiben braun. Good night left side“ und „Nationale Sozialisten Deutschland. Die deutsche Linke ist volksfeindlich.“ angebracht, sowie Farbschmierereien auf das Glas aufgetragen.

15.11.2014
Unbekannte schmieren Hakenkreuze und ausländerfeindliche Parolen: In Hoyerswerda war ein Döner-Imbiss das Ziel rechter Schmierer. Mit brauner Sprayfarbe sprühten sie ein Hakenkreuz, SS-Runen und verschiedene Zahlenkombinationen an den Imbiss, so die Polizeidirektion Görlitz.

2013

20.04.2013
Neonazis feiern Hitler-Geburtstag: In der Albert-Schweitzer-Straße feierten ca. 20 Neonazis den Geburtstag Adolf Hitlers auf einem Spielplatz und entzündeten ein Feuer. Als die Polizei eintraf kam es zu Auseinandersetzungen.

02.08.2013
Wiederholter Angriff auf Büro der Linken: In der Nacht zum 2. August 2013 wurde das Hoyerswerdaer Bürgerbüro der Bundestagsabgeordneten und Direktkandidatin der Linken, Caren Lay, von bisher noch unbekannten TäterInnen zum bereits dritten Mal allein in diesem Jahr angegriffen und beschädigt. Mit diffamierenden und antisemitischen Schmierereien und Aufklebern der JN beschädigten sie die gesamte Ladenfront des Büros. Ebenfalls wurden in den letzten Tagen über 30 Wahlplakate des Oberbürgermeisterkandidaten der Linken, Ralph Büchner, beschädigt.

29.09.2013
Reizgas in Diskothek versprüht: Die Görlitzer Staatsanwaltschaft berichtete gegenüber den Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Neonazis in einer Disco randalieren wollten. Als Ordner ihnen daraufhin den Zutritt verweigerten, sprühten eine oder mehrere Personen aus der Gruppe Reizgas in die Diskothek. Dabei erlitten etwa 20 Menschen Atemwegsreizungen.

22.11.2013
Aufgesprühte Hakenkreuze: Unbekannte sprühten mit roter Farbe insgesamt 20 Hakenkreuze an die Fassaden mehrerer Gebäude, an Kleidercontainer, an Betonteile und einen Bauzaun in der Albert-Schweitzer-Straße, Dietrich-Bonhoeffer-Straße und Südstraße. Der Staatsschutz und das Operative Abwehrzentrum der Kriminalpolizei haben die Ermittlungen aufgenommen.

2012

02.05.2012
Angriff auf Linken-Büro: Am Nachmittag wurde das Wahlkreisbüro der Bundestagsabgeordneten Caren Lay in Hoyerswerda von Neonazis angegriffen. Während einer geschlossenen Veranstaltung versuchten mehrere Männer, die eindeutig der rechten Szene zuzuordnen waren, in das Büro zu gelangen. Da dieser ihnen verwehrt wurde, wurden die Männer gegenüber einem Mitarbeiter handgreiflich, zeigten den Hitlergruß und traten eine Scheibe ein. Durch das beherzte Vorgehen der MitarbeiterInnen und dem zügigen Eintreffen der Polizei konnten die Täter im nahegelegenen Lausitz Center gestellt werden. Das Wahlkreisbüro von MdB Caren Lay in Hoyerswerda wurde in zwei Jahren damit zum vierten Mal angegriffen.

30.08.2012
Nazis bedrohen Linksjugend: Am 30.08.12 wurden in Hoyerswerda TeilnehmerInnen der linksjugend ['solid] Sachsen auf einer Info-Tour durch sächsische Kleinstädte von Nazis bedroht. Kurz nachdem der Infostand aufgebaut war, näherten sich 6 Nazis der Gruppe und beschimpften diese mit „Scheiß Zeckenpack“ und homophoben Sprüchen und drohten zudem mit einem Messer. Die Polizei kam, sorgte jedoch nicht dafür, dass sich die Nazis entfernen. Als die Veranstaltung wetterbedingt in das örtliche Büro der Partei DIE LINKE verlegt wurde, sammelten sich kurze Zeit später 20 Nazis gegenüber dem Büro, riefen Parolen und entrollten ein Transparent sowie eine Reichskriegsflagge. Die vorzeitige Abreise der VeranstalterInnen feierten die Nazi mit Applaus und „Verpisst euch – Hoyerswerda bleibt Braun“-Rufen.

21.09.2012
Giftige Scherben am Linken-Büro: Auf das Bürgerbüro der Bundestagsabgeordneten Caren Lay in Hoyerswerda gab es erneut einen Angriff. In der Nacht zum Samstag wurden Plakate an Fenster und Briefkasten angebracht, die dazu aufriefen die antifaschistische Demonstration am Samstag zu verhindern. Als die Plakate noch am Abend entfernt wurden, fiel auf, dass für das Kleben mit Glassplittern versetzter Leim verwendet wurde. Die Klebemasse verblieb an Fenster und Briefkasten. Erst am Montag wurde von der Polizei festgestellt, dass es sich bei den Scherben um gesundheitsgefährdende Neonglassplitter handelt. Die Klebemasse wird kriminaltechnisch untersucht. Der Staatsschutz ermittelt wegen versuchter Körperverletzung.

22.09.2012
Nazis belagern Kulturfabrik: Nach der antifaschistischen Demonstration zum 21. Jahrestag der rassistischen Pogrome in Hoyerswerda belagerten 20 bis 30 Nazis das soziokulturelle Zentrum Kulturfabrik, wo gerade ein Konzert mit vielen Gästen stattfand. Sie versuchten sich Zutritt zu verschaffen. Die Polizei verhinderte dies und erteilte Platzverweise.

16.10.2012
Scheibe an Büro der Linken beschädigt: Eine Schaufensterscheibe des Abgeordnetenbüros der Partei Die.Linke in Hoyerswerda ist mit einem spitzen Gegenstand beschädigt worden.

17/18.10.2012
Etwa zwei Dutzend Neonazis belagern über mehrere Stunden die Wohnung eines jungen Paares, das rechte Aufkleber in der Stadt entfernt hatte. Nachdem sie in das Haus gelangten, den Türspion verklebt und die Glühbirnen im Hauseingang herausgedreht hatten, versuchten sie sich Zugang zur Wohnung zu verschaffen. Hierbei wurden die Betroffenen massiv bedroht und beleidigt. Die herbeigerufene Polizei sah sich nicht im Stande die Situation zu bereinigen und die TäterInnen festzusetzen. Erst als sich die Gruppe von selbst in Richtung einer nahegelegenen Tankstelle entfernt hatte und weitere Beamte vor Ort eintrafen, wurden die Personalien von insgesamt 11 Verdächtigen festgestellt. Nachdem ein weiterer Schutz des Paares nicht gewährleistet werden konnte, wurde ihnen geraten, die Stadt zu verlassen.

18.12.2012
Bedrohung bei Plakataktion: Eine Gruppe von fünf Neonazis störte eine Plakataktion der Partei Die Linke am Lausitzer Platz in Hoyerswerda. Eine Mitarbeiterin wurde beleidigt und bedroht. Die Täter verschwanden bevor die gerufene Polizei eintraf.

2011

10.09.2011
Als Betroffene des Pogroms von 1991 zusammen mit einem Kamerateam einen Schauplatz der damaligen Ereignisse besuchten, wurden sie erneut von rechten Einwohnern bedrängt, bedroht und rassistisch beleidigt.

17.09.2011
Bei einer Gedenkdemonstration in Erinnerung an die Ereignisse vom Herbst 1991 störten mehrere dutzend Neonazis eine Gedenkminute für Todesopfer rechter Gewalt durch Parolen. Auch während der Abreise wurden TeilnehmerInnen der Demonstration bedroht und mehrere Autos beschädigt.

19.09.2011
Am Parteibüro der Linken wurden Scheiben eingeschlagen.

2008

11.01.2008
Am „Abend der offenen Tür“ des mit dem Titel „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ ausgezeichneten Leon-Foucault-Gymnasiums fotografierten Neonazis aus dem Umfeld der „Autonomen Nationalisten Hoyerswerda“ alternative Jugendliche. Außerdem sprühten sie eine rechte Parole in einen Toilettenraum der Schule.

18.01.2008
Am „Abend der offenen Tür“ des Lessing-Gymnasiums fotografierten die gleichen Personen aus dem Umfeld der „Autonomen Nationalisten Hoyerswerda“ wie schon eine Woche zuvor am Foucault-Gymnasium alternative Jugendliche. Außerdem wurden einzelne Jugendliche bedroht.

28.02.2008
Gegen 21.30 Uhr wurden am Globus-Einkaufszentrum zwei alternative Jugendliche von vier Rechtsradikalen angepöbelt. Diese folgten einem der Beiden auf die Toiletten des Einkaufszentrums und schlugen ihm dort ins Gesicht. Nach dem Verlassen der Toilette griffen sie den jungen Mann vor dem Eingang des Globus erneut an. Einem zweiter Jugendlichen, der versucht hatte, dem Betroffenen zu helfen, wurde mit einer Glasflasche auf den Kopf geschlagen.

26-29.07.2008
Ein türkischer Imbiss in der Wilhelm-Külz-Straße wurde im Zeitraum zwischen dem 26.07 und dem 29.07. mit Hakenkreuzen, SS-Runen und rechtsradikalen Parolen besprüht.

25.09.2008
Beim Verteilen von Flugblättern gegen die rechte Modemarke „Thor Steinar“ wurden auf dem Lausitzer Platz Angehörige der „Initiative Zivilcourage“ und der „Antifa-AG Hoyerswerda“ von einem Dutzend Gewalttäter attackiert. Ein junger Mann erhielt dabei von einem der Angreifer einen Faustschlag ins Gesicht.

03./04.10.2008
Als Reaktion auf die Flyer-Verteilaktion von der „Initiative Zivilcourage“ und der „Antifa-AG Hoyerswerda“ vom 25./27.09. vor dem Lausitz Center wurde das Martin-Luther-King-Haus mit rechtsradikalen Losungen beschmiert. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von 2.000 Euro.

2007

01.01.2007
Um ca. 4 Uhr morgens in der Silvesternacht wurde ein 17-jähriger nicht-rechter Jugendlicher vor dem Sparkassen–Carré im WK9 von drei stark angetrunkenen und wesentlich älteren Neonazis angegriffen, als diese die Bar „Joy’s“ verließen. Durch einen Schlag mit einem Schlagring in Gesicht erleidet er erhebliche Verletzungen und muss stationär behandelt werden.

13.01.2007
Mehrere Menschen versammelten sich vor dem alternativen Jugendclub Dock 28, versuchten in den Club ein zu dringen und warfen dabei Flaschen in den Eingangsbereich. Als ihnen der Einlass verwehrt blieb, demolierten die Angreifer anschließend das Fahrrad eines Clubgastes an der verschlossenen Tür.

07.02.2007
An einem Mahnmal für die Opfer des Faschismus wurde eine Schmiererei entdeckt. Unbekannte besprühten den Gedenkstein mit dem Schriftzug „Antifa, ihr könnt uns mal“.

02.04.2007
In der Einkaufsmeile Lausitz Center schlug ein Neonazi einem Punker im Vorbeigehen ins Gesicht. Nach Angaben des Betroffenen kam es unter ähnlichen Umständen bereits zwei mal zuvor zu derartigen Übergriffen.

11.04.2007
Am „Gondelteich“ in Hoyerswerda wurde ein nicht-rechter Jugendlicher von Anhängern der rechten Szene bedroht und schließlich angerempelt. Einer der Angreifer zeigte dabei den „Hitlergruß“.

12.04.2007
Am Bröthener See wurde ein alternativer Jugendlicher von fünf Neonazis angepöbelt und bedroht.

13.04.2007
Am Nachmittag wurde ein alternativer Jugendlicher in der Hoyerswerdaer Neustadt von einem Neonazi erst beschimpft und dann getreten.

13.04.2007
Im WK II in Hoyerswerda wurde gegen 18.30Uhr ein alternativer Jugendlicher zuerst von einem Neonazi beschimpft und anschließend ins Gesicht geschlagen. Die Polizei, welche mit einem Einsatzfahrzeug vor Ort war, griff nicht ein.

13.04.2007
In den Abendstunden wurden Besucher eines Konzertes im Jugendclub „Ossi“ in der Lieselotte-Hermannstr. in Hoyerswerda von einer Gruppe rechter Jugendlicher bedroht und verfolgt.

13.04.2007
Gegen 22.30Uhr griffen rund 30-40 rechtsgerichtete Personen zumeist jungen Alters eine Gruppe alternativer Jugendlicher auf dem Schulgelände des Leon-Foucault-Gymnasiums in Hoyerswerda an. Unter Flaschenwürfen und Aussprüchen wie „Renn um dein Leben“ und „Jetzt gibt’s Punkerklatschen“ wurden mehrere Personen durch Tritte und Schläge ins Gesicht verletzt. Nachdem die Jugendlichen vom Gelände flüchten konnten, bewegten sich die Angreifer, die zum Teil nicht aus Hoyerswerda kamen und von denen einige mit Schlaggegenständen bewaffnet waren, in Richtung Gondelteich weiter. Dort griffen sie zwei weitere Gruppen nicht-rechter Jugendlicher an. Darüber hinaus entwendeten die Täter mehrere Rucksäcke und Fahrräder. Mindestens eine Person erlitt dabei Verletzungen durch Schläge ins Gesicht.

08.05.2007
Nach einer Gedenkveranstaltung belagerte ein Gruppe Neonazis einen Informationsstand eines zivilgesellschaftlichen Bündnisses gegen Rechtsextremismus. Die gerufene Polizei war mit nur zwei Einsatzkräften vor Ort und reagierte erst auf Zureden einer Infostand-Betreuerin. Einige alternative Jugendliche wurden anschließend von den Rechten verfolgt, mussten in einem Laden Schutz suchen und konnten sich nur unter Polizeischutz aus dem Stadtgebiet entfernen. Die erneut herbeigerufene Polizei war wiederum mit nur zwei Beamten und erst nach langer Wartezeit vor Ort.

Juli 2007
Mehrere Neonazis schlugen in und vor der Bar „Plan-B“ auf einen alternativen Jugendlichen ein.

10.09.2007
An einer neu sanierten Brücke am Globus Hoyerswerda wurden neonazistische Parolen und Morddrohungen gegen alternative Jugendliche gesprüht.

25.10.2007
Auf dem Lausitzer Platz belagerten 15-20 Neonazis einen Infostand zum Thema „Mindestlohn“ der Gewerkschaft Verdi und der Linkspartei. Dabei zeigten sie mehrfach den Hitlergruß und skandierten „Sieg Heil“.

01.11.2007
Auf dem Lausitzer Platz griffen drei rechte Jugendliche einen Infostand der MLPD an.

Dezember 2007
Kurz nach Weihnachten wurde der Ehrenhain für gefallene russische Soldaten des II.Weltkrieges mit der rechten Parole „Frei, Sozial, National“ und den Kürzeln „NS“ und „ANH“ beschmiert. Letztere Buchstabenkombination wurde bereits des Öfteren in Hoyerswerda als Kürzel für „Autonome Nationalisten Hoyerswerda“ gesprüht.

2006

01.01.2006
Aufgrund einer Auseinandersetzung zwischen Gästen des Dock 28 und einem Neonazi, der den Club in der Silvesternacht besuchte, suchten etwa fünf Neonazis den Club in den frühen Abendstunden auf und versuchten von den Anwesenden die Telefonnummer eines Gastes herauszupressen. Dabei beschädigten sie das Inventar schlugen auf mindestens zwei Leute ein.

14.01.2006
Täter aus der rechten Szene beschmierten im Stadtgebiet von Hoyerswerda mehrere Gebäude mit Hakenkreuzen und SS-Runen und klebten zudem NPD/JN-Aufkleber an die Außenfassaden. Betroffen waren mindestens neun Döner- und Asiaimbisse und -läden sowie eine Mittelschule.

März 2006
Nach dem Unbekannte einen Naziclub in einer Gartensparte in Hoyerswerda mit Parolen besprüht hatten, bedrohten etwa fünf Neonazis einen 15-jährigen Punker vor dem Jugendclub Dock28 und notierten sich seine Personalien.

April 2006
In Hoyerswerda wurden am Nachmittag zwei nicht-rechte Jugendliche von zwei älteren Jugendlichen aus der HipHop- Szene zunächst mit neonazistischen Sprüchen beleidigt. Später schlugen sie Einem der Beiden mehrfach ins Gesicht.

01.05.2006
Von einem Aufmarsch in Bautzen und Niesky kommend, formierten sich ca. 120 Rechtsextreme zu einer nicht angemeldeten Demonstration. Sie entrollten Transparente, skandierten rechte Parolen und störten eine PDS – Veranstaltung auf dem Lausitzer Platz.

09.06.-04.07.2006
Während den öffentlichen Liveübertragungen der Spiele der deutschen Nationalmannschaft zur Fußballweltmeisterschaft auf dem Lausitzer Platz kam es immer wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen. Bis zu 100 Personen, darunter viele Neonazis, die rechtsradikale Parolen skandierten, waren an den Krawallen beteiligt.

09.07.2006
Drei Rechte schlugen im Eingangsbereich eines Jugendclubs mit den Worten „Scheiß-Kiffer“ auf einen jungen Mann ein, der sich daraufhin in ärztliche Behandlung begeben musste.

14.07.2006
Der alternative Jugendclub Dock28 erhielt eine Bombendrohung.

06.12.2006
Im Grillhaus „Istanbul“ wurde eine Frau von einem Mann angegriffen, der auch andere Gäste beschimpft und laut „Sieg Heil“ skandierte.

15./16.12.2006
Mehrere Neonazis provozierten im alternativen Jugendclub Dock 28. Nach einer Rangelei gelang es der herbeigerufenen Polizei, sie wieder aus den Räumlichkeiten zu entfernen.

Dezember 2006
Bei einem Angriff von Unbekannten auf den alternativen Jugendclub Dock 28 entstanden erhebliche Schäden. Unter anderem wurde die Außenbeleuchtung zertrümmert, Betonplatten ausgerissen und gegen die Außenwand des Clubs geworfen.

29.12.2006
Eine 17jährige Jugendliche wurde am Netto-Markt im WK II auf Grund ihrer Hautfarbe angepöbelt, bespuckt und mit Silvesterknallern beworfen.

2005

Februar 2005
Beim Rosenmontagszug in Wittichenau bei Hoyerswerda wurden mindestens zwei alternative Jugendliche von Neonazis ins Gesicht geschlagen. Zudem verkleidete sich eine Person mit einem Ku-Klux-Klan Kostüm.

Juni 2005
Auf einem Schulfest des Foucault Gymnasiums in Hoyerswerda provozierten mehrere anwesende Neonazis, unter ihnen auch einige Hip-Hopper, vermeintlich alternative Jugendliche. Ein 16jähriger Jugendlicher wurde schließlich erst vom Fahrrad und dann ins Gesicht getreten. Die im Vorfeld verständigte Polizei nahm den Anruf nicht ernst und fuhr lediglich eine halben Stunde später am Ort des Geschehens vorbei. Auch die Schulleitung verwies die Nazis trotz mehrmaliger Aufforderung nicht vom Schulgelände.

Herbst 2005
Vermehrt versuchten Neonazis sich Zutritt zum alternativen Jugendclub Dock 28 zu verschaffen. Nachdem es dabei wiederholt zu Auseinandersetzungen kam, rückten Beamte der Bereitschaftspolizei aus und holten die Rechten aus dem Gebäude.

30.10.2005
Nach einer Veranstaltung im alternativen Jugendclub Dock28 erhielten die verbliebenen Besucher ungebetenen Besuch von zwei Rechten. Nach deren Rauswurf kehrten diese wieder und randalierten an der geschlossenen Tür.

21.12.2005
Vier Männer pöbelten in einem Flüchtlingsheim Ausländer an. Der Heimbetreiber erstattete Anzeige.

2004

11.09.2004
Zwei Rechte hielten mit dem Auto in der Nähe einer Gruppe alternativer Jugendlicher und beschuldigten diese, NPD-Wahlplakate zerstört zu haben. Daraufhin schlugen sie einem 18-Jährigen ins Gesicht.

2003

16.04.2003
Ein 22-jähriger Mann, der in einer 11-köpfigen Gruppe den Rummel besuchte, rief lautstark „Sieg Heil“, pöbelte Passanten an und schlug einem 34-jährigen Unbeteiligten mit der Faust mehrmals ins Gesicht.

07.06.2003
Auf dem Nachhauseweg von einer Abitur-Abschlussfeier am Knappensee griffen etwa 20 Neonazis, die sich auf einem Zeltplatz aufhielten, eine Gruppe von Schülern an. Während die Anderen rechtzeitig fliehen konnten und die Polizei verständigten, wurde eine Person gezielt umringt und zusammengeschlagen. Danach zerrten die Angreifer den Betroffenen zum See und warfen ihn mit den Worten „Los, jetzt ersaufen wir ihn!“ ins Wasser. Nachdem einer der Angreifer auch ins Wasser gekommen war, schwamm der Jugendliche aus Angst weiter auf den See. Nach etwa 30 Minuten gelang es ihm auf einer Insel Schutz zu suchen. Da sich jedoch niemand auf der Insel befand, der ihm helfen konnte, begab er sich erneut ins Wasser und schwamm auf eine zweite Insel, wo er begann, um Hilfe zu rufen. Ein Angler, der ihn hörte, brachte ihn schließlich zurück ans Ufer, von wo aus sie die Polizei verständigten. Sie traf erst eine dreiviertel Stunde später und nach dem zweiten Anruf ein und brachte den Betroffenen ins Krankenhaus. Obwohl die Gruppe der AngreiferInnen noch die ganze Nacht am Ort des Geschehens verweilte und mehrere Polizeifahrzeuge in der Nähe abgestellt wurden, erfolgten keinerlei Maßnahmen gegenüber den TäterInnen. Eine Anzeige des Betroffenen wurde erst am nächsten Tag aufgenommen.

26.07.2003
Unbekannte beschädigten in der Nacht zum 27.07.03 Scheiben und Spiegel eines PKW und ritzten „Sieg Heil“ sowie ein Hakenkreuz in den Lack.

27.07.2003
In Schwarzkollm schlug ein Neonazi aus Hoyerswerda auf einem Festival einen anderen Besucher zusammen. Der Geschädigte musste eine Woche ins Klinikum, unter anderem mit einem gebrochenen Bein.

31.12.2003
In den frühen Morgenstunden des Silvestertages wurde ein 42jähriger Marokkaner beim Verlassen einer Gaststätte von drei männlichen Personen belästigt und geschlagen. Die Täter flüchteten, als er mit seinem Handy die Polizei verständigte.

2002

04.04.2002
Zwei 13-jährige Jugendliche wurden von Neonazis bedroht und geschlagen, weil sie Hip Hop-Sachen trugen.

12.04.2002
Vier Rechtsradikale schlugen einen Bekannten in seiner Wohnung zusammen.

Bericht vom Prozess gegen die Täter

21.06.2002
Kurz nachdem er den Rummelplatz an der B96 betrat, wurde ein junger Kurde von einer Gruppe Neonazis angegriffen. Als er versucht hatte, wegzulaufen, verfolgten ihn die TäterInnen und versetzten ihm mehrere Schläge und Tritte. Wiederum versuchte der Betroffene der Situation zu entkommen und schaffte es zunächst, sich zwischen einigen Schaubuden zu verstecken. Nachdem die AngreiferInnen ihn erneut entdeckt hatten, entwickelte sich eine regelrechte Hetzjagd, in deren Verlauf er zu Boden geschlagen wurde.

Reaktionen der Opferberatung zum Prozess

Zwei Personen gingen daraufhin dazwischen und versuchten dem Betroffenen zu helfen. Daraufhin wurden auch sie attackiert. Schließlich gelang ihm die Flucht in eine nahegelegene Tankstelle. Von dort aus wurde er ins Krankenhaus gefahren, wo er mehrere Tage in Behandlung war.

30.06.2002
Nach dem WM-Endspiel randalierten mehrere Rechtsradikale auf dem Lausitzer Platz. Sie schlugen Schaufensterscheiben ein und zündeten Container an. Danach verbarrikadierten sie sich im „Wassermann“, einem stadtbekannten Treff der rechten Szene. Dort nahm die Polizei später mehrere Personen fest.

19/20.07.2002
Kurz vor Mitternacht wurde ein 14 Jahre alter Jugendlicher, der sich auf dem Heimweg befand, auf Grund seiner Hautfarbe von drei Rechtsradikalen in ein Auto gezerrt und entführt. Die TäterInnen fuhren mit ihm in einen Wald in die Nähe von Bernsdorf, wo sie ihn beraubten und zum Aussteigen zwangen. In dem Waldstück wurde er anschließend zusammengeschlagen und liegengelassen. Der Jugendliche schaffte es anschließend zu Fuß bis nach Bernsdorf zu gelangen und klingelte bei einem Haus, um Hilfe zu erhalten. Wegen seiner Kopfverletzungen musste der Betroffene ins Krankenhaus eingeliefert werden. Noch von der Notaufnahme aus wurde er von der Polizei vernommen, die mit ihm zurück an den Tatort fuhr, um Spuren zu sichern.

25.08.2002
Während des Stadtfestes griffen Neonazis nicht-rechte Jugendliche an. Als die Polizei einschritt, riefen sie „Deutschland den Deutschen“.

12.09.2002
Am Ende eines Open-Air-Konzertes der Brothers Keepers auf dem Lausitzer Platz kam es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen rechten und linken Jugendlichen.

17.11.2002
Im Anschluss an einen rechtsextremen Aufmarsch betraten drei Rechtsradikale den alternativen Jugendclub Dock 28. Sie zeigten den Hitlergruß, skandierten „Sieg Heil“ und spielten eine CD mit rechtsextremen Inhalt ab. Während einer der anwesenden Clubmitglieder die Polizei informierte, leerten sie in den Klubräumen einen Pulverfeuerlöscher und zerstörten Teile des Inventars. Neben einer starken Verschmutzung des Bar- und Clubinventars wurde auch die Musikanlage stark beschädigt. Die Polizei verhaftete die Täter kurz nachdem sie den Club verlassen hatten.

2001

März 2001
In Bernsdorf versuchten zehn Jugendliche einen Angolaner aus einem fahrenden Zug zu werfen, was nur durch die Hilfe seines Freundes verhindert werden konnte.

02.06.2001
Etwa 50 Rechtsradikale zogen grölend durch die Altstadt von Hoyerswerda. Am späten Abend griffen vier von ihnen einen Mann in einer Kneipe an. Dieser musste mit Schnittverletzungen und Hämatomen ambulant behandelt werden. Danach zerstörte die Gruppe Einrichtungsgegenstände der Kneipe.

06.06.2001
Etwa 20-30 Neonazis provozierten eine Schlägerei.

13./14.10.2001
In der Nacht zum 14.10. wurde ein vietnamesischer Imbiss mit rechten Parolen beschmiert.

Hintergrund

Waltraud Scheffler, im Oktobers 1992 von Neonazis in Geierswalde bei Hoyerswerda ermordet

Waltraud Scheffler war das erste Todesopfer rechter Gewalt in der Region um Hoyerswerda nach dem rassistischen Pogrom von Hoyerswerda 1991. Der nachfolgende Ausschnitt aus dem Artikel „(K)eine Frage der Wahrnehmung: die tödliche Dimension politisch rechts motivierter Gewalt“ von Heike Kleffner ist im Jahr 2011 in dem Buch „Tödliche Realitäten. Der rassistische Mord an Marwa El-Sherbini“ der Opferberatung des RAA Sachsen e.V. erschienen.

Noch weniger bekannt als der Tod von Mike Zerna (siehe übernächster Beitrag), doch ebenso kennzeichnend für die endlose Kette neonazistischer Wochenend-Überfälle in den frühen 1990er Jahren, ist der Angriff von rund 15 Neonazis auf die Diskothek „Gartenlampe“ in Geierswalde bei Hoyerswerda. Dabei wurde die Aushilfskellnerin Waltraud Scheffler durch mehrere Schläge mit einer Holzlatte auf den Kopf tödlich verletzt.

Mit „Sieg Heil“ und „Deutschland den Deutschen, Ausländer Raus“-Rufen hatten sich in der Nacht des 10. Oktobers 1992 mehr als ein Dutzend Neonazis vor der Diskothek versammelt. Als die DiscobesucherInnen mit Buh-Rufen auf die neonazistischen Sprüche reagierten, begannen die Naziskins zuzuschlagen.

Die 44-jährige Waltraud Scheffler starb, weil sie einen Lehrling vor den Schlägen eines 17-jährigen Naziskins schützen wollte. Sie hatte beruhigend auf den Angreifer einzureden versucht und wurde daraufhin selbst mit voller Wucht von einer Zaunlatte an der Schläfe getroffen.

Sie starb am 23. Oktober 1992 im Klinikum Hoyerswerda, ohne dass sie noch einmal aus dem Koma aufwachte.

Am 3. September 1993 verurteilte das Jugendschöffengericht am Landgericht Bautzen den 17-jährigen Täter zu vier Jahren und sechs Monaten Jugendstrafe wegen schweren Landfriedensbruchs, Körperverletzung mit Todesfolge und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.(1) In der Untersuchungshaft hatte er sich Hakenkreuze auf Brust und Oberarme tätowieren lassen. Waltraud Scheffler wird seit 1994 von der Bundesregierung und dem sächsischen Innenministerium als Todesopfer rechter Gewalt genannt.(2)

 

(1) Rogalla, Anette: Drei Schläge mit der Latte. In: taz vom 6. September 1993.
(2) Todesopfer rechter Gewalt zwischen 1990 und 2010. Ein Projekt der Tageszeitung Tagesspiegel und der Wochenzeitung Die Zeit. Im Internet unter: http://www.zeit.de/themen/gesellschaft/todesopfer-rechter-gewalt/index [gesehen am 1. Juni 2011].

 

Quelle:

Kleffner, Heike. (2011). (K)eine Frage der Wahrnehmung: die tödliche Dimension politisch rechts motivierter Gewalt. In: Opferberatung des RAA Sachsen e.V. (Hrsg.). Tödliche Realitäten Der rassistische Mord an Marwa El-Sherbini, S. 22.

Hintergrund

Timo Kählke, am 12. Dezember 1992 von Neonazis in Meuro bei Hoyerswerda ermordet

Nur wenige Wochen nach dem Tod von Waltraud Scheffler wurde in der Region ein 27-jähriger Familienvater Opfer eines Überfalls durch Neonazis. Der folgende Beitrag des Opferperspektive e.V. aus Potsdam erschien zuerst auf der Website todesopfer-rechter-gewalt-in-brandenburg.de.

Die Tat

Am 12. Dezember 1992 erschießen Mitglieder der Wehrsportgruppe „1. Werwolf-Jagdeinheit Senftenberg“ in Meuro bei Cottbus den 27-jährigen Senftenberger Timo Kählke. Die Neonazis brauchen ein Fluchtfahrzeug für ihren geplanten Überfall auf das Spielcasino „Las Vegas“ in Welzow. Von dem erbeuteten Geld sollen bereits erhaltene Waffen bezahlt werden. (1) Mit Maschinenpistole und Gewehren bewaffnet, täuschen sie auf der Landstraße eine Autopanne vor. Als Timo Kählke anhält, um zu helfen, fordert ihn der 18-jährige Daniel L. auf, das Fahrzeug zu verlassen. „Auto her, oder ich leg dich um“, ruft er. Kählke weigert sich auszusteigen. Daraufhin schießt L. ihm in den Kopf. Um mit dem Auto losfahren zu können, schieben die Täter den Schwerverletzten auf den Beifahrersitz. Als Timo Kählke stöhnt, schießt Daniel L. noch einmal ein ihn. Dann fahren sie mit dem erbeuteten Auto los - Daniel L. am Steuer, Jens-Werner K., Anführer der „Werwölfe“, auf der Rückbank. Als die Täter feststellen, dass der 27-jährige Familienvater noch lebt, schießt K. ein drittes Mal, diesmal durch den Vordersitz auf ihn. (2) Anschließend verbrennen sie den Leichnam und den PKW in einem Waldstück. (3)

Das Gerichtsverfahren

Der Prozess beginnt am 10.01.1994 vor dem Landgericht Cottbus. Den vier Angeklagten zwischen 20 und 29 Jahren wird Mord und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. Bei einer Razzia im Oktober 1992 werden bei dem Anführer der „Werwölfe“ Jens-Werner K. einhundertfünfzig Handgranaten, Maschinenpistolen, Feldausrüstung - meist aus sowjetischer Herkunft – und neonazistisches Propagandamaterial, gefunden. (4) Das Landgericht Cottbus verurteilt die Täter wegen gemeinschaftlichen Mordes. Der Haupttäter Daniel L. erhält eine neunjährige Jugendstrafe, die drei Mittäter Freiheitsstrafen zwischen drei und fünfzehn Jahren. Die Wehrsportgruppe „1.Werwolf-Jagdeinheit Senftenberg“ versteht sich als Elitegruppe und ist nach Einschätzung des Cottbuser Oberstaatsanwaltes Hans-Ulrich Pollender "die gefährlichste rechtsextremistische Gruppierung in Ostdeutschland". (5) Sie führen Wehrsportübungen mit Maschinenpistolen durch und bauen Sprengsätze. Ihr Ziel: Der bewaffnete Umsturz! Der Bundesgerichtshof stuft die Gruppe trotzdem nicht als kriminelle Vereinigung ein - mit der verharmlosenden Begründung, die Mitglieder hätten keinen eigenen Willen, sondern hingen von einer Führungspersönlichkeit ab. Außerdem zeigten einige lediglich „ein geradezu jungentümliches Interesse am Hantieren mit selbstgebastelten Sprengkörpern.“ (6)

Das Gedenken

Ein öffentliches Gedenken hat bisher nicht stattgefunden.

 

(1) taz, Nr. 4210, 11.1.1994: „Auto her, oder ich leg dich um!“
(2) taz, Nr. 4214, 15.01.1994: Mordprozess gegen „Werwölfe“: „Dann hab ich geschossen“
(3) Brandenburger Verfassungsschutzbericht 1993, S. 27
(4) taz, Nr. 4214, 15.01.1994: Mordprozess gegen „Werwölfe“: „Dann hab ich geschossen“
(5) Der Spiegel Nr. 1/93, 04.01.1993: Starkes Gehabe
(6) Ebenda 

 

Weitere Informationen:

Simone Wendler: Die 1. Werwolf-Jagdeinheit Senftenberg und der Mord an Timo K.

Im Wohnzimmer von Kathrin K. steht noch immer ein Foto ihres Mannes Timo. Seine Ermordung durch Anhänger einer rechtsextremen Clique ließ die damals 25-jährige von einem Tag auf den anderen mit zwei kleinen Kindern alleine zurück.

Download des Textes als PDF:Website todesopfer-rechter-gewalt-in-brandenburg.de 

Die 1. Werwolf-Jagdeinheit Senftenberg und der Mord an Timo K. Erstveröffentlicht in: Generation Hoyerwerda. Das Netzwerk militanter Neonazis in Brandenburg. Hrsg.: Anna Spangenberg, Heike Kleffner. be.bra verlag, 2016. 

 

Quelle: 

Opferperspektiven e.V. Timo Kählke. Verfügbar unter: http://www.todesopfer-rechter-gewalt-in-brandenburg.de/victims-timo-kaehlke.php (zuletzt aufgerufen am 16.09.2017).

Hintergrund

Mike Zerna, am 20. Februar 1993 von Neonazis in Hoyerswerda ermordet

Laut Recherchen der Amadeu Antonio Stiftung gab es in Deutschland seit 1990 mindestens 179 Todesopfer rechter Gewalt. Einer von ihnen war Mike Zerna. Der nachfolgende, gekürzte Ausschnitt aus dem Artikel „(K)eine Frage der Wahrnehmung: die tödliche Dimension politisch rechts motivierter Gewalt“ von Heike Kleffner ist im Jahr 2011 in dem Buch „Tödliche Realitäten. Der rassistische Mord an Marwa El-Sherbini“ der Opferberatung des RAA Sachsen e.V. erschienen.

Von der Öffentlichkeit fast vergessen, aber schon seit 1994 von den sächsischen Sicherheitsbehörden und der Bundesregierung als Opfer rechter Gewalt anerkannt, ist der 23-jährige Mike Zerna. Er wurde in der Nacht vom 19. zum 20. Februar 1993 während eines Angriffs von mindestens zwei Dutzend Naziskins auf einen Treffpunkt linker Jugendlicher in Hoyerswerda getötet.

Nach den mehrtägigen, pogromartigen Angriffen auf die Wohnheime von ehemaligen mosambikanischen Vertragsarbeitern und von Asylsuchenden im September 1991 und der anschließenden Entscheidung der Behörden, alle ArbeitsmigrantInnen und Asylsuchenden aus Hoyerswerda zu entfernen, wuchs das Selbstbewusstsein der Naziskinszene in der Stadt enorm – zumal von einer ernsthaften Strafverfolgung der Angreifer keine Rede sein konnte. Naziskins überfielen regelmäßig linke Jugendliche und Punks, erpressten „Schutzgelder“ in Bordellen und ließen kaum eine Gelegenheit aus, um deutlich zu machen, dass sie jenseits der geltenden Gesetze handeln konnten, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden.

Wer Naziskins im Hoyerswerda der frühen 1990er Jahre treffen wollte, besuchte zuerst den Jugendclub „Nikolai Ostrowski“ mitten im so genannten WK I – einen Flachbau inmitten der zahlreichen Plattenbauten. Zu den regelmäßigen Besuchern gehörten auch die zwölf späteren Angeklagten im Alter zwischen 20 und 25 Jahren, die (...) in den späten Abendstunden des 19. Februar 1993 aufbrachen, „um Zecken zu klatschen“. Mit Rufen wie „Linke Säue“, „Schlagt die Zecken tot“ stürmten zwei Dutzend Naziskins dann gegen Mitternacht sowohl auf die 60 bis 80 Gäste im Club „Nachtasyl“ als auch auf einen davor geparkten Fiat-Kleintransporter los. In dem Auto hatten Mike Zerna und sein Bruder Frank gerade die Instrumente der Thrash/Death Metal Band „Enslaved“ verstaut. Nachdem beide von den Angreifern aus dem Wagen gezerrt worden waren, wurde Frank Zerna bis zur Bewusstlosigkeit getreten und geschlagen, unter den Fußtritten brach sein Unterkiefer. Auch in den Innenräumen des „Nachtasyls“ schlugen die Naziskins so lange auf ihre Opfer ein, bis sie am Boden lagen und traten dann auf die Wehrlosen ein. Ein Gast erlitt dabei eine Gesichtsfraktur im Mittelgesicht; zudem zerrten ihn die Angreifer so heftig an seinen langen Haaren über den Boden, dass das Gericht eine fünf Quadratzentimeter große kahle Fläche auf seinem Kopf feststellte.

Nachdem sie fast alle als „Zecken“ bekannten Gäste des Clubs verletzt hatten, stieß eine größere Gruppe der Angreifer in einem Gebüsch vor dem „Nachtasyl“ erneut auf den schmächtigen, langhaarigen Mike Zerna, der sich dort versteckt hatte. Ein wegen mehrerer, auch einschlägiger Körperverletzungsdelikte vorbestrafter und unter Bewährung stehender 20-Jähriger schlug den erheblich kleineren Mike Zerna mit der Faust ins Gesicht. Als dieser zu Boden ging, „trat sofort eine weitere namentlich nicht ermittelte Person auf Mike Zerna ein“, stellte das Gericht im schriftlichen Urteil fest. Auch der erste Angreifer versetzte dem wehrlos am Boden Liegenden weitere Fußtritte in den Magen und in die Nieren. Schließlich blieb Mike Zerna bewusstlos neben der Beifahrertür des Transporters liegen, während eine Gruppe von mindestens vier Naziskins das Auto auf ihn kippte. Das Fahrzeug quetschte seinen Brustkorb ein. Während die Täter flohen, erstickte Mike Zerna qualvoll. Erst eine halbe Stunde später fanden ihn noch unter Schock stehende Gäste, nachdem sie den Transporter wieder aufgerichtet hatten. Zeugen alarmierten daraufhin den Notarzt, doch für Wiederbelebungsversuche war es zu spät. Mike Zerna starb um 4 Uhr morgens im Kreiskrankenhaus von Hoyerswerda, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben. „Ein rechtzeitiges Bergen von Mike Zerna hätte dessen Tod verhindern können“, stellte das Jugendschöffengericht in seinem Urteil fest.

Zwölf Angeklagte hatten sich ab dem Frühsommer 1994 zunächst wegen „Mordes durch Unterlassen“ vor dem Jugendschöffengericht am Landgericht Bautzen für den Tod von Mike Zerna verantworten müssen. Schon zu Beginn der Hauptverhandlung wurde deutlich, dass der Kreis derer, die an dem für Mike Zerna tödlichen Angriff auf das „Nachtasyl“ beteiligt waren, erheblich über die Zahl der Angeklagten hinaus ging.(1) Die Ermittler hatten bei ihrer Suche nach den Haupttätern jedoch schlichtweg vor einer Mauer des Schweigens kapituliert. Hinzu kam der Suizid eines hauptverdächtigen Neonazis in der Untersuchungshaft.

Im Urteil zeigten sich die Richter einerseits entsetzt über die Tatsache, dass das Vorgehen der Angeklagten „von äußerster Brutalität“ gekennzeichnet war. Gleichzeitig begegnete die Justiz den Naziskins mit dem typischen Verständnis der frühen 1990er Jahre: Die Angeklagten stammten „aus schwierigen sozialen Verhältnissen in der sozialistischen Trabantenstadt Hoyerswerda.“ Und weiter heißt es in der Urteilsbegründung: „Es war teilweise nicht einfach, insbesondere in der Zeit nach der Wende, also in einer Zeit des Umbruchs, eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz zu finden. Mit der daraus entstandenen ‚freien Zeit’ wussten die Angeklagten nicht sinnvoll umzugehen. Eine staatsbürgerliche Schulung auf die neue Bundesrepublik Deutschland, auf den Rechtsstaat, war nicht erfolgt. Dies hat die Jugendkammer zu ihren Gunsten gewertet. Da sie von Politik sehr wenig wussten, haben sie in der so genannten ‚rechten Szene’ ein, wenn auch falsches, Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt.“(2) Entsprechend gering fielen die Strafen aus: Die Angeklagten erhielten zwischen einem Jahr auf Bewährung und vier Jahren für einen besonders schweren Fall des Landfriedensbruchs in Tateinheit mit Totschlag durch Unterlassen.(3) Die sächsische Landesregierung und die Bundesregierung benennen Mike Zerna seit 1994 als Todesopfer rechter Gewalt, doch erinnert wird an ihn hauptsächlich durch „Killing Spree“, die Band seines Bruders. Noch unter dem alten Bandnamen „Enslaved“ widmete sie ihre erste CD „Where is the Meaning“ Mike Zerna.

In Hoyerswerda scheint die Zeit in Bezug auf neonazistische Organisierung stehen geblieben zu sein: Knapp zwei Jahrzehnte nach den rassistischen Pogromen und dem Tod von Mike Zerna konnten rund 450 Neonazis aus dem Spektrum der militanten Autonomen Kameradschaften am 1. Mai 2010 unter dem Motto „Generationen der Feigheit müssen vergehen“ durch die geschrumpfte Stadt marschieren, ohne dass sich ihnen nennenswerter Protest entgegen stellte. „Für ein paar Stunden war wieder Leben in der Stadt“, kommentierte eine lokale neonazistische Website (4) triumphierend nach dem Aufmarsch und machte deutlich, wer den Alltag in Hoyerswerda dominiert.

 

(1) Krell, Detlef: Eine Stimme sagte: „Los!“. In: taz vom 15. April 1994.
(2) Landgericht Bautzen, Urteil vom 8. Juli 1994 (rechtskräftig seit 17. Oktober 1994). Az: 1 KLs 2 Js 901/93.
(3) Krell, Detlef: Strafe für „Mitläufer“. In: taz vom 9. Juli 1994.
(4) Bericht + Fotos, Samstag 1. Mai 2010: „Für ein paar Stunden war wieder Leben in der Stadt”. Im Internet unter: http://xhoyerswerdax.blogspot.com [gesehen am 1. März 2011].

 

Quelle:

Kleffner, Heike. (2011). (K)eine Frage der Wahrnehmung: die tödliche Dimension politisch rechts motivierter Gewalt. In: Opferberatung des RAA Sachsen e.V. (Hrsg.). Tödliche Realitäten Der rassistische Mord an Marwa El-Sherbini, S. 22.

Hintergrund

Bernd Schmidt, am 29.01.2000 aus rechtsextremen Motiven ermordet

Im Jahr 2000 wurde Bernd Schmidt in Weißwasser bei Hoyerswerda von Jugendlichen umgebracht, weil die Täter den Obdachlosen für "menschlichen Schrott" hielten. Der folgende Artikel des Opferfonds CURA erschien zuerst auf der Website opferfonds-cura.de.

Am 31. Januar 2000 stirbt Bernd Schmidt in Weißwasser (Sachsen) an seinen schweren Kopfverletzungen. Zugefügt wurden ihm diese von zwei 15-jährigen Jugendlichen, die den Obdachlosen drei Tage lang in einer Abrissbaracke traktiert haben. Anfangs beteiligt sich auch ein 16-Jähriger. Die zwei Täter behaupten vor dem Landgericht Görlitz, sie wollten von dem 52-Jährigen 900 Mark für ein Moped erpressen. Das Gericht attestiert einem der Täter im Urteil "die bisher unkorrigierte Fehlhaltung, dass Obdachlose, sozial Schwache und Ausländer wenig wert sind und kein Recht auf Unversehrtheit haben". Der 15-Jährige hatte gesagt, Leute wie Schmidt seien "menschlicher Schrott". Der Angeklagte wird wegen versuchter räuberischer Erpressung mit Todesfolge und gefährlicher Körperverletzung zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der gleichaltrige Mittäter erhält viereinhalb Jahre, der 16-Jährige ein Jahr auf Bewährung.

Obwohl das Gericht in seinem Urteil die sozialdarwinistische Motivation der Tat ausdrücklich betonte, taucht Bernd Schmidt nicht in der offiziellen Statistik Todesopfer rechter Gewalt auf. Obdachlose, eine der schwächsten Gruppen in der Gesellschaft, erfahren ständig Bedrohung durch rechtsextreme Gewalt. Wenn tödliche Attacken auf wohnungslose Menschen als Raubüberfälle getarnt werden, müssen sie als das behandelt werden, was sie sind: Politisch motivierte Morde. Obdachlose gelten in der rechtsextremen Szene als „asozial“ und „minderwertig“. Der ideologische Kontext der Täter darf gerade bei einer tödlichen Attacke auf diese Opfergruppe nicht ignoriert werden, begründet sich doch in ihrer rechten Gesinnung (Sozialdarwinismus) die exzessive Gewalt gegen sozial schwächer gestellte Menschen. Bernd Schmidt ist ein Todesopfer rechter Gewalt und sollte in der offiziellen Statistik der PMK-rechts genannt werden.

 

Quelle:

Amadeu Antonio Stiftung. 29.01.2000, Bernd Schmidt. Verfügbar unter: http://www.opferfonds-cura.de/zahlen-und-fakten/erinnerungen/januar/bernd-schmidt (zuletzt aufgerufen am 16.09.2017).

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