Weil sich Politik und Polizei nicht in der Lage sahen, die Angriffe auf die Flüchtlinge zu stoppen, mussten die Betroffenen unter dem Applaus und Gejohle viele AnwohnerInnen die Stadt verlassen. Einigen von Ihnen gelang die Flucht nach Berlin, anderen nach Westdeutschland.

Filme

Vertreibung der Geflüchteten

Nachdem die Angriffe auf die Unterkunft der Geflüchteten nicht abrissen und die Polizei nicht in der Lage war, die Menschen zu schützen, wurden die Flüchtlinge aus der Stadt evakuiert.

Abgeschoben nach Meißen

Die aus Hoyerswerda vertriebenen Geflüchteten wurden in ein im Wald gelegenes Heim nach Meißen gebracht. Dort bleiben wollten sie nicht.

TV-Bericht zu den Angriffen 1991

Szenen aus einem Fernsehbericht zur Vertreibung der Flüchtlinge aus der Thomas-Müntzer-Straße und einige Stimmen von HoyerswerdaerInnen. (Quelle: YouTube)

Hintergrund

Appell der Flüchtlinge aus Hoyerswerda

Nach ihrer Vertreibung aus Hoyerswerda flohen einige der Asylsuchenden aus Hoyerswerda nach Berlin, dort veröffentlichten sie folgenden Appell:

Wir entschuldigen uns dafür, euch Berlinerlnnen im Besonderen und die Deutschen im Allgemeinen, mit einer Anfrage die wir Euch heute unterbreiten, zu belästigen. Einerseits scheint es wie eine Belästigung, andererseits ist es berechtigt und unbedingt notwendig, Euch diese Anfrage bedenken zu lassen Wir sind die Flüchtlinge aus Hoyerswerda‚ die während unseres
Aufenthalts dort sehr schlecht von der Bevölkerung behandelt wurden und schließlich von sogenannten Skinheads gewalttätig aus unserem Flüchtlingsheim gejagt wurden – grundlos, wie
diese sehr wohl wußten.

Wir mußten Schutz finden. Es gab keinen anderen Platz zur Flucht als Berlin, wo unsere momentane Sicherheit durch die große Hilfe einer Kirchengemeinde und die beständige Arbeit autonomer Gruppen gewährleistet ist.

In dieser Situation ist unserer einziger Appell an den Berliner Innensenat, daß der Innensenator Verständnis für unsere Umstände aufbringe und uns als Flüchtlinge in seinem Verantwortungsbereich aufnehme.

Noch stärker ist unser einziger Appell an die Öffentlichkeit, uns als Menschen zu sehen, die ihre Heimatländer verlassen mußten, um für uns gefahrvolle Situationen zu vermeiden, und uns deshalb etwas Gastfreundschaft und Herzlichkeit entgegenzubringen.

Wir freuen uns über jede Art der Unterstützung.

Es ist unsere tiefe Hoffnung, daß dieser Appell auf offene Ohren stoßen wird, wir vertrauen auf Eure Kooperation und Herzlichkeit.

Danke,

Die Flüchtlingen aus Hoyerswerda

 

Quelle:

Appell der Flüchtlinge aus Hoyerswerda. Interim vom 17.10.1991.

Hintergrund

Flucht der Flüchtlinge

Seit Anfang des Jahres 1991 lebten in Hoyerswerda neben den ausländischen Vertragsarbeitern auch Asylsuchende. Aufgrund des rassistischen Pogroms musste die Flüchtlinge die Stadt verlassen. Selbst während ihrer Abreise wurden sie noch angegriffen, einigen gelang die Flucht nach Westdeutschland und nach Berlin.

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